Behüt dich Gott – Karl Haas!

Traurigen Herzens mussten wir im Herbst des vorigen Jahres Abschied nehmen von unserem Hofrat Karl Haas. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern unserer Pfarrgemeinde und war über viele Jahre Mitglied und Vorsitzender des PGR. Sein besonderer Einsatz galt allen, die nicht für sich selber sprechen konnten, so lagen ihm die Hospizarbeit und die Aktion Leben besonders am Herzen. Bei einem Gedenkgottesdienst anlässlich seines Geburtstags am 10. Jänner durften wir uns dankbar seiner erinnern. Seine Familie und viele Wegbegleiter waren der Einladung gefolgt.
Ein herzliches Vergelt`s Gott, lieber Karl!
Dein geistiges Erbe wird in Graz-Süd immer lebendig bleiben!
Sieglinde Hirschmann
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Lieber Karl!
Du hast über das Pastoralteam (Pf. Wallner, Sr. Angelika, Sr. Sigrid und Sr. Johanna, damals noch aktive Caritasschwester) gesagt, sie seien das Herz des Gemeindelebens – ein wunderbares Kompliment.
Aber es braucht nicht nur ein Herz, es braucht auch Hände
Hände – wie sie unserer Christusstatue zwar fehlen, aber Hände – die wir, die Mitglieder der Pfarrgemeinde sein können und sollen.
Hände – die auffangen, die stützen, die heilen, versöhnen und begleiten
die trösten und mahnen.
Hände – die beten.
Du warst eine solche Hand für unsere Pfarrgemeinde Graz – Süd, eine Verlängerung der Hände Christi.
Bereits 1971 – an der Stelle unserer Kirche war damals ein Maisacker – aus der Filialkirche von Liebenau war gerade die röm. – kath. Expositur Christus der Auferstandene in Graz-Süd geworden – gehörtest du dem ersten (damals noch freiwilligen) PGR an. Du warst einer der Pioniere der ersten Stunde. Auch in den ersten offiziellen PGR 1974 wurdest du gewählt und erlebtest so den äußeren Aufbau unseres Seelsorgezentrums. Aber nicht passiv, wie das im ersten Augenblick klingen mag, du hast einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass in Graz-Süd eine lebendige, offene Gemeinschaft entstand, in der viele Menschen nicht nur ihre Talente einbringen konnten sondern hier eine Heimat gefunden haben.
„Fange nie an aufzuhören – höre nie auf anzufangen!“
Mit diesem Gedanken hast du deine Erinnerungen in unserer Festschrift zum 40-Jahr-Jubiläum überschrieben. Und sie entsprechen deinem Tun: Gleich nach deiner Pensionierung Ende 1991wurdest du zweimal in Folge zum PGR – Vorsitzenden gewählt. In diese 10 – jährige Periode fällt die Fertigstellung des Turms, ein unvergessliches Erlebnis für uns alle war sicher der Glockenguss bei der Firma Perner – aber auch die Schrecksekunden, als beim ersten vollen Läuten aller Glocken der Turm plötzlich sichtbar zu schwanken begann, die Glocken vorerst verstummten und der Turm statisch nachjustiert werden musste.
Neben Baulichem und Organisatorischem war dir aber immer der Mensch wichtig, die Begegnung: Ich denke an die intensive Partnerschaft mit der Pfarre Uljak in Budapest oder die Hilfsaktion für Frau Jelena Brajsa, die mit behinderten Kindern und Jugendlichen unsere Pfarre besuchte. Ein besonderes Anliegen war dir auch der Dialogprozess, der zum Tag der Steiermark 1993 hinführte und in der Darstellung des Manifestes des Lebens am Grazer Hauptplatz seinen Höhepunkt und Abschluss fand. Und eine weitere Herzensangelegenheit nahm 1993 ihren offiziellen Anlauf – die Gründung des steirischen Hospizvereins, der es sich zum Anliegen gemacht hat, Sterbenden und deren Angehörigen beizustehen um bis zuletzt die Lebensqualität die Würde des Menschen zu wahren. In vielen Kursen wurden Menschen ausgebildet, sich dieser Herausforderung zu stellen.
Die Verleihung der Elisabethmedaille (der höchsten Auszeichnung der Caritas) im Jahr 2000 war ein äußeres Zeichen für deine tiefe Hinwendung zu den Menschen in allen ihre Lebenslagen und Nöten.
Aber auch nach deiner Zeit als Vorsitzender gingst du nicht in den „pfarrlichen“ Ruhestand, sondern standest auch weiterhin unserer Gemeinde mit Rat und Tat zur Verfügung. So entstand die „offene Gesprächsrunde“ in unserer Pfarre, die sich mehrmals im Jahr zum Austausch über offene Fragen im Pfarr- und Glaubensleben traf und zu vielfältigen Begegnungen mit Persönlichkeiten auch des öffentlichen Lebens führten.
Begegnung – dieses Wort ist untrennbar mit der Erinnerung an dich verbunden:
Du bist den Menschen begegnet mit großer Überzeugung, mit Wärme, Verständnis und Humor. Ich kann mich nicht erinnern, dich jemals laut oder poltern erlebt zu haben. Wohl aber erinnere ich mich gerne an dein manchmal spitzbübisches Lächeln und deine ruhige, wohl überlegte, väterliche Art, mit der du an Probleme herangegangen bist.
Und du hast gerne gefeiert und getanzt, was du auf Pfarrbällen oder beim Abhalten von Steirisch – Tanzkursen unter Beweis gestellt hast. „Die Frohbotschaft des Evangeliums“ verlangt nach der lebendigen Umsetzung im Alltag – ein Motto, das du überzeugend gelebt hast.
„Erinnerung ist eine Form der Begegnung“ – dieses Zitat eröffnet deinen Nachruf an unseren lieben, leider viel zu früh verstorbenen Walter Lunzer.
Ich möchte es an den Schluss meines Briefes stellen.
44 Jahre Erinnerung an den Menschen, an den Freund, an den Wegbegleiter Karl Haas – sie haben mich nachdenklich gemacht, manche Frage aufgeworfen, oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – vor allem aber haben sie mir BEGEGNUNG ermöglicht mit einem Menschen, der mir und uns allen in Graz-Süd im Gedächtnis bleiben wird.
Danke, Karl, für all dein Wirken, das ich nur unvollständig anreißen konnte.
Danke, für dein DA-Sein, für dein SO-Sein – wie du uns begegnet bist.
Der Tod ist nicht das Ende, wie es in dem von dir so geschätzten „Manifest des Lebens“ in der letzten Strophe zum Ausdruck kommt:
Leben hat Zukunft:
In Gottes Liebe geborgen; durch seinen Geist erneuert;
hoffen und arbeiten; unterwegs in einer unvollkommenen Welt;
zueinander stehen; einander nahe sein über den Tod hinaus
Schwestern und Brüder für immer:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Sieglinde Hirschmann